Samstag, 24. September 2016

Netzwerk der Aufklärung: suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw)

Auszug aus einem Interview der FR vom 8.09.1998 mit dem damals verantwortlichen Lektor der suhrkamp taschenbuch wissenschaft - Reihe, Friedhelm Herborth. Anlass war das 25jährige Bestehen von suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw).
Frage: Worin unterscheidet sich die "stw" von anderen Reihen, auch aus ihrem Hause? 
Antwort: Die "stw" wurde aus der allgemeinen Taschenbuchreihe "st" ausgegliedert. Ursprünglich sollte das Gesamtprogramm des Verlages im Taschenbuch widergespiegelt, also überwiegend gebundene Bücher verwertet werden. In der "stw" kamen dann immer mehr und mehr Originalausgaben hinzu, die heute etwa 80 Prozent des Programms ausmachen. Eine wichtige Funktion besteht darin, neue Gebiete zu erschließen, auf denen noch keine Monographien existieren. Das waren früher die sogenannten "Seminar-Bände", heute sind es neben den Monographien gut konzipierte Sammelbände, die unterschiedliche Perspektiven verschiedener Disziplinen zusammenbringen. Nicht selten werden Tagungen im Hinblick auf einen stw-Bank konzipiert.  
Frage: Planen Sie Änderungen für die Zukunft?

Antwort: Veränderungen im Programm ergeben sich aus den Entwicklungen in den einzelnen Wissenschaften. Die "stw" funktioniert deshalb so gut, weil sie sich aus einem inhaltlichen Netzwerk über Themen und das Grundinteresse am "Projekt der Aufklärung" generiert, das als unabgeschlossener Prozess ja nichts Statisches ist, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten das Beste herauszufiltern versucht. Der internationale Ruf der "stw" beruht ja nicht auf Personen und Seilschaften, sondern auf diesem inhaltlichen Kristallisationskern. 
Frage: Die Umschlagszeiten auf dem Buchmarkt werden immer kürzer, andere Verlage fahren ihre Wissenschaftsproduktion drastisch zurück. Machen Ihnen die Engpässe auf dem Markt nicht auch zu schaffen?

Antwort: .. In der Wissenschaft gibt es eine selbstdestruktive Tendenz, Bücher als Saisonartikel zu betrachten. Innovative wissenschaftliche Bücher brauchen oft Jahre, bis sie in ihrer Bedeutung erkannt und anerkannt werden; es gibt Bücher, die nach zehn Jahren im Verkauf noch ansteigen. Die Reihe lebt davon, dass ein großer Teil der Titel auf längere Sicht Interessenten findet. 

Das Buchwunder der Brüder Limburg

Von Ralf Keuper

Von einem bedeutenden kunst- und mediengeschichtlichen Fund berichtet die FAZ in  Das Buchwunder der Brüder Limburg. Dabei handelt es sich um das vierte Buch aus der Hand der Brüder von Limburg, das erst im Jahr 2013 in den Archiven der Adelsfamilie Castelneau entdeckt wurde. 

Was dieses Buch für die Kunstgeschichte so wertvoll macht, beschreibt Andreas Platthaus:
Es sind keine Illuminationen, also Buchmalereien, sondern allerfeinst ausgeführte Tintenzeichnungen. Vor allem die Architekturelemente sind angesichts der winzigen Fläche von einer solchen Akribie, dass sie als bloße Unterzeichnungen für eine spätere Illuminierungskampagne kaum denkbar sind. Tatsächlich gab es seinerzeit das Genre des portrait d’encre, der Zeichnung als vollwertigen Kunstwerks. Viel spricht dafür, dass die Bilder dieses Buchs nie ausgemalt worden wären.
Die Buchkunst der Brüder von Limburg ist ein Beispiel für den sog. Weichen Stil, als Übergang von der Gotik zur Renaissance. Der Weiche Stil gilt überdies als Keimzelle einer eigenständigen nordeuropäischen Kunst. 

Weitere Informationen:

Samstag, 17. September 2016

Goethes Zeitschrift "Ueber Kunst und Alterthum" als Vorläufer des Blogs

Von Ralf Keuper

In dem Beitrag Goethe war hier in der FAZ vom 9.09.2016 berichtet Patrick Bahners von der Ausstellung Von den „Rhein und Mayn Gegenden“ zur Weltliteratur. Goethes Zeitschrift ‚Ueber Kunst und Alterthum’ des Freien Deutschen Hochstifts. Die Zeitschrift, deren sechs Bände von 1816 bis 1832 veröffentlich wurden, verwendete ein für die damalige Zeit neuartiges Format, das dem des Blogs schon sehr nahe kam: 
Thematische Offenheit, fortlaufendes, aber unregelmäßiges Erscheinen, Leserbindung durch das Interesse am Autor. Mit diesen Eigenheiten weist das Unternehmen voraus auf ein Institut der heutigen Literaturproduktion, den Blog. Die lockere Form machte es Goethe möglich, zu ästhetischen Zeit- und Modephänomenen ebenso beiläufig Stellung zu nehmen. Eine Serie von Artikeln unterschiedlichen Inhalts, die nur der Geschmack des Verfassers verbindet: Das Format erscheint anspruchslos, aber sein Witz liegt im Verzicht auf ostentative Programmatik, durch den sich Goethe taktische Spielräume erhielt. Kritik als Gebrauch des Unterscheidungsvermögens schloss hier die Wahl des jeweils opportun erscheinenden Mittels der Auseinandersetzung ein. Mehr als ein Heft von Bemerkungen über Kunst und Altertum herauszubringen, das hieß, dass der Leser keine letzten Worte des Verfassers vor sich hatte, aber auch, dass die erörterten Gegenstände nicht unbedingt das Nonplusultra ihrer jeweiligen Sphäre waren. 

Wir brauchen den europäischen Digitalpakt

Die Krise der Handelsverhandlungen sollten dazu führen, dass wir uns als Europäer endlich zusammenfinden und selbstbewusst auf die eigenen Stärken konzentrieren. Dazu braucht es einen europäischen Digitalpakt, der die hohen Standards für Produkte und Dienstleistungen im eigenen Markt mit einer massiven Förderung der Unternehmen verbindet, die diese Standards als Wettbewerbsvorteil nach vorne stellen und damit IT-Sicherheit, Datenschutz, Verbraucherfreundlichkeit, kulturelle Vielfalt, offene Standards und viele andere ethisch, sozial und ökologisch verträgliche Produkte und Dienstleistungen made in Europe weltweit exportieren. Ein Digitalpakt, der die Menschen mitnimmt in ein digitales Europa, das mehr gemeinsam macht und damit in der Lage ist, die europäischen Werte und die Interessen der Bürger, Verbraucher und Unternehmen zu verteidigen. 
Quelle: Jan Philipp Albrecht: Wir brauchen den europäischen Digitalpakt, FAZ vom 6.09.2016, S. 15

Samstag, 10. September 2016

Micropayments als Retter der Medienbranche

Von Ralf Keuper

Können Micropayments so etwas wie der Rettungsanker für die Geschäftsmodelle der Medienbranche sein? Diese Frage wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert.

Hier eine Auswahl von Beiträgen:
Auf ein wesentliches Problem bei der Verwendung von Micropayments als (Haupt-)Einnahmequelle macht Terry Flew in Ad blockers are here to stay, micropayments less so aufmerksam:
But the providers of quality content typically require a stable source of income – the “gig economy” model is less likely to work for detailed analysis of a subject than it is for quick, real time reporting on particular event. .. And for that kind of work, they require either cash up front, or the security of other forms of full-time employment (a news organisation, a university etc.). The personal risks of doing such stories in the subsequent hope that people will pay for them are simply too great. This is one of the reasons why the situation for public service media is better, not worse, than it was two decades ago. We have seen how vulnerable the business models of commercial media have turned out to be, in terms of generating content, attracting paying consumers, and being able to recruit and retain talent.

Mittwoch, 7. September 2016

Virtual Reality - 360 Grad-Videos: Medienkunst auf dem EMAF 2016



Rico Chibac, Creative Director der EMAF, auf die Frage, wozu Virtual Reality in der Zukunft noch fähig ist:  
Tatsächlich glaube ich, auf lange Sicht werden die Brillen überhaupt keine Rolle spielen. ... Im Moment sind sie ja nur das nötige Mittel und die Schnittstelle zwischen uns Menschen und der virtuellen Realität .. und diese Schnittstelle wird halt immer mehr verschwimmen, und deswegen wird das Element der VR-Brille .. wahrscheinlich in naher Zukunft schon wieder überholt sein und durch eine Kontaktlinse ersetzt oder durch eine Projektion direkt auf die Iris. 

Samstag, 3. September 2016

Der Stilwandel der Medien #13

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen: