Samstag, 6. Mai 2017

Medienstil ist umgezogen!

Der Blog Medienstil ist umgezogen. Ab heute ist er erreichbar unter http://medienstil.bankstil.de/

Es werden hier keine neue Beiträge mehr veröffentlicht. Die Seite steht noch für einen Übergangszeitraum zur Verfügung. 


Freitag, 28. April 2017

Wie die FAZ versucht, uns Alice Weidel näher zu bringen

Von Ralf Keuper

Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann ist man bei der FAZ derzeit eifrig bemüht, uns Alice Weidel als respektable Spitzenpolitikern zu präsentieren. Beispielhaft dafür ist Wer ist Alice Weidel?: Die Scheingemäßigte. Ein Porträt in drei Geschichten und zuvor AfD-Politikerin Alice Weidel ist Alternative zu Björn Höcke. Beim letzteren Beitrag handelt es sich um eine Homestory im Bunte-Stil, wie man sie so bislang nicht von der FAZ kannte. 

Als Beleg dafür, dass Alice Weidel nicht in das übliche Klischee einer AfD-Politikerin passt, führt Justus Bender, der Autor des erstgenannten Artikels, u.a. an, dass Frau Weidel bei Goldman Sachs gearbeitet habe und überdies die chinesische Sprache beherrsche und auch ansonsten weltgewandt aufzutreten verstehe. Ob eine Beschäftigung bei Goldman Sachs als Ausweis für die Qualifikation als Spitzenpolitikern dienen kann, ist bei der Rolle, die das Geldhaus vor und während der Finanzkrise gespielt hat, fraglich. 

Aber selbst wenn wir all die Merkmale, die Bender so emsig zusammen trägt, für eine liberale Grundhaltung gelten lassen würden, bleibt die Frage bestehen, warum eine Frau mit diesen Eigenschaften sich als Spitzenkandidatin für eine Partei zur Verfügung stellt, deren führende Vertreter mit Äußerungen an die Öffentlichkeit treten, die alles andere als liberal und weltoffen sind. Auch Mitglieder aus der zweiten und dritten Reihe sind, wenn sie sich öffentlich zu Wort gemeldet haben, in ihrer Mehrheit, so jedenfalls mein Eindruck, bisher nicht als Vorkämpfer einer offenen Gesellschaft im Sinne Karl Poppers in Erscheinung getreten. Darauf gibt uns Bender leider keine befriedigende Antwort. So bleibt ein schaler Nachgeschmack. 

Da wählt Georg Restle von Monitor deutlichere Worte, welche die FAZ-Redaktion auf sich wirken lassen sollte ... 

Weitere Informationen: Monitor-Sendung vom 27.04.17 Die AfD: Schutzschild der extremen Rechten?


Sonntag, 23. April 2017

Fontane: Ein Pionier der Fake News

Von Ralf Keuper

Ausgerechnet der Begründer des literarischen Realismus in Deutschland, Theodor Fontane, soll ein Pionier bei der Herstellung und Verbreitung von Fake News gewesen sein !?. 

Die Germanistin Petra McGillen jedenfalls, ist in einem Interview mit der FAZ dieser Ansicht. Auszug: 
In der Forschung ist schon lange bekannt, dass Fontane Zeitungsberichte verfasst hat, die er mit Phantasie und falschen Fakten frisierte. Neu ist die Erkenntnis, wie gut sein Vorgehen zu dem heutiger Fake-News-Produzenten passt. Das ist mir aufgefallen, als ich mich im Rahmen eines Buchprojekts eingehend mit Fontanes Arbeitsweise, seinen Notizbüchern und seinem Umgang mit Informationen befasst habe. Fontane hatte das Journalistenhandwerk gründlich gelernt. Er war mehr als vier Jahrzehnte lang professioneller Journalist. Er las täglich mehrere Zeitungen und war so über alles, was zirkulierte – Skandale und Gerüchte eingeschlossen –, stets im Bilde. Er wusste ungeheuer viel über die Medienszene seiner Zeit und hat nahezu alle Sparten bedient, unter anderem auch mit einer frühen Form von Fake News.

Über das Elend von Funk und Fernsehen. Ein Insider-Bericht aus dem Jahr 1988

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1988 erschien das Buch REPORT. Über das Elend von Funk und Fernsehen. Ein Insider-Bericht, in dem der ehemalige REPORT-Baden-Baden  - Redakteur Wolfgang Moser über seine Erfahrungen im damaligen Südwestfunk Baden-Baden berichtete. Dem Buch vorausgegangen war ein jahrelanger Streit im SWF um die Ausrichtung bzw. um die journalistische Unabhängigkeit von Report Baden-Baden, in deren Folge sich der damalige Leiter von Report Baden-Baden, Franz Alt, wenngleich widerwillig, der Weisung des CDU-Intendanten Willibald Hilf, die in einem "Neuen Konzept" niedergelegt wurde, fügte. Wolfgang Moser musste den Sender verlassen.

Einige der Aussagen in dem Buch zeigen, dass die Diskussion um die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien so neu nicht ist. An einigen Stellen überkommt einen ein Deja-Vu. 

Hier einige Beispiele:
Man beobachte nur mal Bonner Fernsehjournalisten, wenn sie ihren politischen  Gesinnungsfreunden für die ewig gleichen Nichtigkeiten die Mikrofone halten. Vielleicht ist der Kollege gerade in einem der zahlreichen Bonner Kungel-Kreise, "Wespennest" oder "Brückenkreis", "Gelbe Karte" oder "Antenne" genannt, mit Hintergrundinformationen versehen worden, die natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind und die auch nur selten an die Öffentlichkeit gelangen. 

Sinn dieser informatorischen Korruption ist, Journalisten das Gefühl vermeintlicher Wichtigkeit zu suggerieren, sie einzubinden in ein politisches Kartell, das selbst darüber bestimmen möchte, wann ihm Öffentlichkeit von Nutzen ist und wann nicht. 

Ausgerechnet an dem Ort, an dem penibles Einhalten von Distanz zu den politischen Akteuren besonders wichtig wäre, gedeiht ein Klima der Kumpanei, des schulterklopfenden Einvernehmens - tödlich für jede unabhängige, kritische Berichterstattung. 
Einige Zeilen weiter:
Zweifellos ist das Versagen des öffentlich-rechtlichen Journalismus mitverantwortlich für den Vertrauensverlust, den weite Teile der Politik in der Öffentlichkeit erlitten haben. Erst im Verein mit einer willfährigen Journaille konnten sich die Parteien zu jenem Moloch entwickeln, der mittlerweile das gesamte gesellschaftspolitische Geschehen maßgeblich bestimmt. 
Über die Bedeutung alternativer Informationsquellen:
Bei meinen Recherchen für REPORT hat es mich immer wieder überrascht, welche Fülle an fundierten detaillierten Informationen gerade in der sogenannten Alternativszene zirkulieren. Informationen, die meist weder in den öffentlich-rechtlichen Archiven noch in offiziell zugänglichen Datenbanken zu finden sind. 

Mir ist sehr bald klargeworden, dass ich von Leuten, die so gut informiert sind, mit meinen meist doch recht holzschnittartigen Beiträgen eher belächelt worden bin. ..

Keines der Themen, die in den letzten Jahren die gesellschaftspolitische Diskussion bestimmt haben, ist von den öffentlich-rechtlichen Medien entdeckt, zum Thema gemacht worden. Zumal das Fernsehen, als populärstes Medium, als Frühwarnsystem total versagt hat. Waldsterben, Gewässerverschmutzung, Artentod, die Gefährlichkeit der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenerige - Fehlanzeige. Immer erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, schwärmen auch die Kamerateams aus den Sendeanstalten aus. 
Moser erwähnt im weiteren Verlauf den ehemaligen WDR-Intendanten Klaus von Bismarck:
"Emotional belastende Sendungen", hatte schon der frühere WDR-Intendant Klaus von Bismarck gefordert, müssten "informierend oder kommentierend unterbrochen" werden, um die Zuschauer nicht "kritiklos in den Bann des Trends der Sendung" zu ziehen. 
Das Buch enthält noch ein Zitat der International Herald Tribune über das Wesen bzw. die typischen Eigenschaften des deutschen Journalismus:  
Das Hauptproblem der westdeutschen Presse - vielleicht ein Überbleibsel alten Obrigkeitsdenkens oder hierarchischen Denkens - ist die generell unterwürfige Haltung gegenüber dem politischen und wirtschaftlichen Establishment. 

Samstag, 15. April 2017

Die vielen Leben der Schallplatte - der Reiz des entschleunigenden Musikgenusses

Von Ralf Keuper

Der Verkaufszahlen von Schallplatten weisen seit Jahren nach oben. Zu verdanken hat der langlebige Tonträger diese Entwicklung seiner Wandlung in ein Lifestyle-Produkt. Anders ist es selbst Vertretern des Branchenverbands GFU (Gesellschaft für Unterhaltungselektronik) nicht erklärlich, warum die Schallplatte auf vergleichsweise große Resonanz stösst. In Der neue Reiz des alten Plattenspielers in der FAZ vom 10.03.17 zitiert Thiemo Heeg den GFU-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Joachim Kamp:
Rein technisch lässt sich ein besserer Klang nicht belegen, denn die Abtastung der Schallplatte ist mit Rauschen und Knistern verbunden, die Stereokanäle sind nicht annähernd so exakt getrennt wie in der digitalen Welt der CD, und zudem beeinflussen Resonanzen den Frequenzgang. 
Als mögliche Erklärung für die vielen Leben der Schallplatte nennt Kamp:
Viele Menschen mögen offensichtlich den entschleunigenden Musikgenuss und die damit verbundene Vorfreude darauf bereits beim Auspacken der Schallplatte. 

Mittwoch, 12. April 2017

André Gide über Filterblasen und Echokammern

Horcht, wie die Leute reden. Wer hört denn dem anderen zu? Die Widersprechenden? Keineswegs. Man hört nur dem zu, der die eigenen Gedanken wiedergibt. Je mehr sie so ausgedrückt werden, wie man sie selber ausgedrückt hätte, um so lieber hört man zu. Die Geschicklichkeit der großen Journalisten besteht darin, dass sie den Idioten, der sie liest, dazu zu bringen, zu sagen: "Genau das, was ich dachte!". Man will nicht angestoßen, man will geschmeichelt werden. Oh! wie langsam ist die Zeitenfolge. Wie lang die Mühe, den Platz zu wechseln! Wie ruht man sich aus zwischen den Kämpfen! Wie gern lässt man sich auf dem kleinsten Absatz nieder!
Quelle: Aus den Tagebüchern 1889-1939

Samstag, 8. April 2017

Texte französischer Intellektueller, Künstler und Kritiker über das frühe Kino

Von Ralf Keuper

Wie das frühe Kino von Intellektuellen, Künstlern und Kritikern in Frankreich aufgenommen wurde, davon handelt das Buch Die Zeit des Bildes ist angebrochen! Französische Intellektuelle, Künstler und Filmkritiker über das Kino. 1906–1929
Der Verlag schreibt dazu:
Die Zeit des Bildes ist angebrochen! präsentiert – erstmals in deutscher Übersetzung – das Spektrum der Debatten französischer Poeten, Künstler, Wissenschaftler und Kritiker über das junge Kino in 60 ausgewählten Texten aus den Jahren 1906–1929.

Der Band ist mehr als eine Spezialität für Filmhistoriker, denn mit dem Siegeszug des Symbolmediums der Moderne vollzogen sich tiefgehende Wandlungen in Alltagskultur, Wahrnehmung und Künsten. Populäre Serien, das Niegesehene der Mikrowelt und fremder Kontinente sowie die neue fluide, teils avantgardistische Ästhetik der Filme riefen nach Debatte und Affirmation. Musik, Farbe, Rhythmus: Photogénie!
In seiner Rezension Neu wird die Welt im Lichte dieser Zauberlaterne in der FAZ vom 17.03.17 spart Bernd Stiegler nicht mit Lob. Resümierend hält er fest:
Letztlich geht es hier und in vielen der anderen Essays um eine technisch-magische Verwandlung der Wirklichkeit, die der Film nur als das zeigt, was sie ist, und dabei noch einer Metamorphose unterzieht. Im neuen Licht des Kinos zeichnet sich eine kommende Ära ab. "Die Zeichnung hat das Mammut aussterben lassen" konstatiert lakonisch Jean Epstein. Die Zeit des technischen Leitbildes ist angebrochen. Und was wird es noch alles verschwinden lassen?