Mittwoch, 29. Oktober 2014

Internetkonzerne drängen verstärkt in die Film- und Unterhaltungsindustrie

Von Ralf Keuper

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht einer der großen Internet- und E-Commerce-Konzerne eine Beteiligung oder gar die Übernahme eines Film- und Medienproduzenten vermeldet. Langsam aber sicher übernehmen Tencent, Alibaba, Amazon, Baidu, Google & Co die Kontrolle über so ziemlich alle Distributionskanäle. 

So gab Tencent vor einigen Wochen den Einstieg in das Filmgeschäft bekannt. Dafür wurde eigens "Tencent Movies+" gegründet. Schon heute ist Tencent der größte Spieleentwickler der Welt, der firmeneigene Messaging-Dienst WeChat zählt bereits über 400 Millionen Nutzer. 
Nur wenig später meldete Dauerkonkurrent Alibaba eine 20%ige Beteiligung an dem chinesischen Digital Media - Konzern Wasu. Alibaba kooperiert bereits seit einiger Zeit mit Wasu bei der Bespielung und Verbreitung seines Betriebssystems für Smart-TV. Damit hofft Alibaba, der Nucleus für Internet-TV in China zu werden. 
Aber auch Amazon lässt sich kaum eine Gelegenheit entgehen, in das Geschäft mit Digital Media einzusteigen. Erst vor wenigen Tagen wurde die Übernahme des Audio- und Video Comedy - Unternehmens Rooftop Media durch Amazon bekannt. Dadurch erhofft sich das Unternehmen Synergien mit seinem bereits bestehendem Video-Streaming-Dienst Amazon Prime sowie mit seinem Service für Hörbücher Audible. Vor einiger Zeit erwarb Amazon-Gründer Jeff Bezos die Washington Post. 

Angesichts dessen überrascht es nicht weiter, wenn der Suchmaschinenkonzern Baidu ebenfalls ins Filmgeschäft einsteigt. Bereits im Februar diesen Jahres ließ Baidu verlauten, mit seiner neu gegründeten Firma Auquament Entertainment die Filmproduktion aufzunehmen. Erster Spielfilm soll eine Animation mit dem Namen "Kong" sein. 

Google ist mit YouTube und Google Play prominent im Video- und Internet-TV - Segment vertreten. Das chinesische YouTube-Äquivalent Youku, das inzwischen 500 Millionen Nutzer zählt, plant die Kooperation mit amerikanischen und europäischen Produktionsfirmen, um seine Plattform für die Zuschauer noch attraktiver zu gestalten. 

Apple hat mit iTunes den Markt für Filme und Musik revolutioniert. Derweil leidet iTunes zunehmend unter dem wachsenden Erfolg von Streaming-Services wie Spotify. Trotzdem sind die Einnahmen aus iTunes in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Verantwortlich dafür sind vor allem die App-Verkäufe. 

Der japanische Telekommunikationskonzern und Alibaba-Großaktionär SoftBank hat sich den koreanischen Video-Streaming-Dienst DramaFever einverleibt

Da braut sich was zusammen. 

Alles in allem bewegen sich die Internetkonzerne horizontal und vertikal zugleich. Die bestehenden Angebote und Distributionskanäle werden systematisch ausgebaut, die Produktion des Contents erfolgt immer häufiger in Eigenregie. Hinzu kommt noch die wachsende Schar von Streaming-Diensten wie Spotify und Deezer

Bloomberg reagiert auf die Entwicklung mit der Lancierung einer eigenen Content-Plattform, Media Source. Disney erwarb Anfang des Jahres den Video-Produzenten Maker Studios

So viel scheint sicher: Für die klassischen Medien-, Entertainment- und Filmkonzerne wird es langsam eng. 

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